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Wir wollen euch was verschweigen.

Die allerwenigsten dunklen Pflänzchen unseres blühenden, wuchernden inneren Dickichts an Geheimnissen können wir wirklich als ausdrücklich geheim begreifen, als Vertraulichkeitsabkommen zwischen unseren Hirnhälften verstehen. Nebensächliche Merkwürdigkeiten, halbverschüttete Fakten aus unserem schlingernden Lebensverlauf, mikroskopische Schrullen: Wir machen uns meist wenig Gedanken über jenes Mittelgebirge an persönlichen Mysterien, die wir für uns behalten — ob aus automatisiertem Selbstschutz oder barer Vergesslichkeit. Natürlich wissen wir um die enorme Enthüllungslust unserer Mitmenschen und kennen auch selbst das krude Vergnügen am Lichten von unschmeichelhaften Details aus dem Charakterdschungel des jeweils Anderen. Aber viel wesentlicher für unseren Instinkt zur Heimlichkeit ist doch ein recht gesunder Wunsch danach, nicht gänzlich erkannt zu werden. Wir alle sind freigiebige Publizisten des eigenen Ich, auf Facebook, beim ersten Date oder im Bewerbungsgespräch. Aber wir wollen uns auch einen schattigen Schutzraum erhalten, in dem wir lautlos mit all den zierlichen Seltsamkeiten spielen können, die sich über die Jahre in uns angesammelt haben: Die Hinterhöfe des Geheimgehaltenen bilden das Fundament unserer Emanzipation — von Eltern, Partnern, Staat oder Gott. Weiterlesen

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Wütende Sehnsüchte nach ein bisschen Biedermeier

Die Deutschen glotzen immer so. Eigentlich sollte das gar nicht an den Anfang, aber erst neulich stand irgendwo, es war ein englischer Artikel, dass ein Vorurteil gegenüber Deutschen ebenjenes sei: Germans tend to stare. Und es stimmt wirklich. In der Londoner Tube sitzen oder stehen… Weiterlesen

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Warum Dirndl der bessere Ethno-Kitsch sind

Über Geschmack lässt sich ja angeblich immer streiten. Über solche Geschmäcker, die manchen Leuten taugen und anderen wiederum nicht, umso schöner. Das ist dann eine durch und durch positive Gruppenerfahrung, wie sie sonst nur Ringelreihen von Kindergartenkindern in Warnwesten erleben. In einheitlicher Harmonie lassen sich… Weiterlesen

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Zwischenwege in intime Silben zerschält. Rekonstruktionen

  <tropfen streichelt schulter> #1 kompromissregen statt ofen oder arktis sanft, bloß nicht zu stark. Regen. Aufregend für alle, aber anders. Fünfzig Minuten Bahn, die Regenschirmbenutzung am Ende Zähringens fühlt sich falsch an. Nasse Haut durch Regen zum ersten Mal seit Wochen. Die äußeren Sitzgelegenheiten… Weiterlesen