Wir surfen auf der Oberfläche.

In den Neunzigern mal poetisch gewesen, längst polemisch geworden, dieses Wörtchen, wo wir doch alle nur noch Authentisches wollen: Von der Idee einer Oberfläche als dem, was sich Betrachtern aussetzt, ist die Strecke kurz geworden zur Oberflächlichkeit und der Vorstellung, dass sich alle Kraft auf den Erhalt der Illusion eines makellosen Außens konzentriert, darin erschöpft und das Darunterliegende verkümmern lässt. Die Glasur des Eisbergs also, der schillernde Schaum auf dem Wellenkamm, der Goldflitter auf dem Parkett des Partykellers. Oder auch jenes kühle Glas, das die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine repräsentiert, auf der wir den ganzen Tag herumwischen. Uns hat in diesem Heft die ergonomische Einrichtung unserer Lebenswelt interessiert, zärtlich haben wir Luftballons gestreichelt und unsere Sinne über Flächiges und Flüchtiges huschen lassen. Wir wollten wissen, woher das störrische Vertrauen ins Funktionieren unserer diversen alltäglichen Oberflächen rührt, wo wir doch sonst immer skeptischer werden, wieviel Substanz hinter den glänzend polierten Fassaden des 21. Jahrhunderts wirklich wartet. Weiterlesen

Wütende Sehnsüchte nach ein bisschen Biedermeier

Die Deutschen glotzen immer so. Eigentlich sollte das gar nicht an den Anfang, aber erst neulich stand irgendwo, es war ein englischer Artikel, dass ein Vorurteil gegenüber Deutschen ebenjenes sei: Germans tend to stare. Und es stimmt wirklich. In der Londoner Tube sitzen oder stehen… Weiterlesen

Warum Dirndl der bessere Ethno-Kitsch sind

Über Geschmack lässt sich ja angeblich immer streiten. Über solche Geschmäcker, die manchen Leuten taugen und anderen wiederum nicht, umso schöner. Das ist dann eine durch und durch positive Gruppenerfahrung, wie sie sonst nur Ringelreihen von Kindergartenkindern in Warnwesten erleben. In einheitlicher Harmonie lassen sich… Weiterlesen

Wir wollen euch was verschweigen.

Die allerwenigsten dunklen Pflänzchen unseres blühenden, wuchernden inneren Dickichts an Geheimnissen können wir wirklich als ausdrücklich geheim begreifen, als Vertraulichkeitsabkommen zwischen unseren Hirnhälften verstehen. Nebensächliche Merkwürdigkeiten, halbverschüttete Fakten aus unserem schlingernden Lebensverlauf, mikroskopische Schrullen: Wir machen uns meist wenig Gedanken über jenes Mittelgebirge an persönlichen… Weiterlesen